Betreuungskonzept

 

 

Ort der Betreuung

 

-         der oder die Patient/en wird zu Hause, in der Seniorenpension oder in Gemeinschaftsräumen betreut/versorgt

 

Art der Betreuung (Einzelbetreuung und/oder Gruppenbetreuung)

 

-         es handelt sich um eine Einzel- oder Gruppenbetreuung (Ambulanter Krankenpflegedienst Dismer)

 

Umgang mit Aggressionen

 

-         erkennen wie stark die Aggression ist

-         bedürfnisorientierte Pflege als Prävention:

¨ den zu Pflegenden respektvoll behandeln

¨ an Entscheidungen, die sie betreffen, zumindest beteiligt werden

¨ dass die zu Pflegenden über bevorstehende Handlungen informiert werden

¨ ihre Wünsche, soweit möglich berücksichtigen

-         freundliche Begrüßung und freundlicher Blickkontakt

-         gewisse Pflegehandlungen in solchen Situationen evtl. überdenken z.B.: Muss das Bad heute wirklich sein? oder: Sollte ich einen Kollegen hinzuziehen? oder: Soll ich es später noch einmal versuchen?

-         keine Machtkämpfe entstehen lassen

-         Grenzen erkennen, mit ihnen umgehen und eingestehen können

-         Ursache für Frustration finden (fehlende Anerkennung? Probleme in der Familie oder im Beruf?)

-         Tätigkeiten delegieren oder ablehnen, bevor aus Überforderung Frustration und Aggression entsteht

-         bei Gelingen mit viel Toleranz Humor einzusetzen: entspanntere Atmosphäre

-         Raum schaffen um Situationen zu entschärfen z.B. Zimmer kurz verlassen

-     wenn Gruppenbetreuung nicht möglich, auf Einzelbetreuung zurückgreifen

 

 Umgang mit wirklichkeitsfremden Überzeugungen und Sinnestäuschungen

 

Verschiedene Kategorien:      -Drogenabhängige

                                               -Alkoholiker

                                               -Menschen mit einer erkrankten Demenz

                                               -Menschen mit einer erkrankten Kognition

Wir im Ambulanten Krankenpflegedienst haben häufig mit einer erkrankten Demenz beim Patienten zu tun

Umgang mit diesen Menschen:

            -Ziel ist es dem Menschen Wohlbefinden und Sicherheit zu geben

-Es ist wichtig, so viel wie möglich aus seinem alten, vertrauten Leben in diese neue              Situation hinüberzuretten.

-Auf Ängste, Aggressionen und Unsicherheiten so gut wie möglich eingehen.

-Auf die Welt des Pat. eingehen und nicht versuchen ihn in die Realität zurück zu

 holen (denn sonst verwirrt es den Pat. noch mehr)  

-Mit ruhiger Stimme reagieren, ein Streicheln oder ein Lächeln hilft meistens um die    Pat. zu beruhigen.

-Wichtig ist es immer den Pat. gleichzeitig mit in die Pflege einzubeziehen.

 

Umgang mit wiederholten Fragen und Handlungen

 

-         geduldig auf gleiche Fragen antworten

-         Gesicht des Sprechenden in Augenhöhe

-         klar und deutlich akzentuiert sprechen

-         laut und deutlich antworten, aber nicht schreien

-         in kurzen Sätzen antworten

-         ist die Geduldsgrenze erreicht, ablenken oder mit einer Entschuldigung kurz den Raum verlassen und tief durchatmen

 

Umgang mit Gefühls- und Stimmungslagen

 

-         Gefühls- und Stimmungslagen sollte man nicht bagatellisieren, verniedlichen oder sich darüber lustig machen

-         in Ruhe und mit Einfühlungsvermögen auf den Pat. eingehen, evtl. sich vorsichtig in Gesprächen herantasten was mit Pat. los ist

-         erkennen wie stark diese Gefühlslage ist, auf Mimik und Gestik achten

-         den Patienten immer mit Würde behandeln

 

Umgang mit Weglauftendenzen

 

-         alle Mitarbeiter müssen von der Weglauftendenz unterrichtet werden, Angehörige, Nachbarn und Arzt müssen informiert werden

-         wenn ein Patient weg läuft, beruhigend und ohne Vorwurf auf den Wegläufer zugehen, einige Schritte mit ihm gehen und dann sanft den Rückweg einleiten

-         in der Kleidung Heimadresse und Telefonnummer anbringen

-         aktivierende anregende Umgebung schaffen

 

 

Schaffung von Sicherheit und Vermeidung von Unfällen und Gefahren

 

- Sicherheit beobachten und beurteilen:

> eine vertrauensvolle, an der Person orientierte Hinwendung und die Vermittlung von fachlicher Kompetenz bilden den Rahmen, in dem sich die Patienten sicher fühlen können

> ein Anamnesegespräch bietet die Möglichkeit, Phänomene der Sicherheit und Störungen wahrzunehmen, zu benennen und den Patienten zu unterstützen, Strategien zum Umgang mit den Störungen zu entwickeln

> folgende Fragestellungen helfen, Phänomene der Sicherheit und Unsicherheit wahrzunehmen, zu beobachten und das Ausmaß der notwendigen Unterstützung und den tatsächlichen Hilfebedarf zu ermitteln z.B. Zeigt der Pat. Zeichen der Un-/Sicherheit? oder: Wie orientiert er sich? Was braucht er zur Orientierung? Welche Unterstützung wünschen sie sich? Was gibt ihnen in ihrem Leben Sicherheit z.B. Heimat, Kultur, Elternhaus, Freunde, finanzielle Sicherheit, Medikamente?

> Ressourcen ermitteln, im Gespräch ergeben sich viele Ansatzpunkte, die es ermöglichen, seine Ressourcen konkret anzusprechen

 

-         wichtig ist es in Kooperation mit dem Arzt Risikofaktoren zu erkennen und jene Person zu identifizieren z.B. Benötigt der Patient einen Rollstuhl, Unterarmgehstützen etc.

-         Einfluss genommen werden kann auf das Umfeld (z.B. das Vermeiden von Stolperfallen durch Teppiche, falsches Schuhwerk, Fixierung und Bettgitter) oder auf Hilfen für die sensorische Wahrnehmung (z.B. durch Überprüfung der Augenstärke und der Nutzung geeigneter Sehhilfen)

-         Sturzprävention:

· Aufklärung und Beratung der zu Pflegenden und ihrer Angehörigen

· evtl. Nutzung von Hüftprotektoren

· Muskelaufbau- und Balancetraining

· genaues Assessment der Risiken (räumliche Umwelt, Beleuchtung, Kleidung, Sehfähigkeit, Kognition)

· Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit

 

Aktivierung verbliebener Fähigkeiten

 

-         Beobachtung ist die Handlungsgrundlage zur Förderung und Aktivierung verbliebener Fähigkeiten:  - einzigartig am Individuum ausgerichtet

                                                     - vom Ist zum Soll

                                                     - Patient dort abholen, wo er steht

                                                     - Vorhandenes fördern und erhalten

                                                     - Fehlendes entstehen lassen

- Basis hierfür: ganzheitliche Wahrnehmung des Pat., Offenheit, Beziehung

 

-         Ressourcen jedes einzelnen Patienten erkennen und spezifisch fördern:

ª verbliebene Fähigkeiten wahrnehmen und beobachten

ª daraus ergibt sich eine Handlung, die sich in Planung und Förderung unterscheidet

ª die daraus sich ergebene Veränderung des Pat. dokumentieren und beobachten

 

 

Beschäftigungsideen

 

-         jede Beschäftigung dient zur Förderung der Sinnesorgane, der verbliebenen Fähigkeiten und der sozialen Kontakte

Beispiele:

Sinnesorgane:   · Gespräche führen, Fragen stellen z.B. Wie hat Ihnen die Suppe heute geschmeckt?

                       · Zeitschriften mit bunten Bildern anbieten oder mit dem Patienten Fotos (Familienfotos oder Urlaubsfotos) anschauen und Fragen stellen z.B. Wo war der Urlaub? Wie viele Kinder haben sie?

                       · Radio anschalten, dabei auf Wünsche eingehen, was der Patatient am liebsten hören möchte und dabei Pat. fragen An was erinnert Sie an diese/s Lied/Musik?  

Verbliebene Fähigkeiten: · z.B. Pat. möchte zur Beschäftigung fernsehen gucken, kann die Fernbedienung selbst betätigen, kommt aber nicht an die Fernbedienung heran. Die Pflegekraft gibt dem Patienten die Fernbedienung, schaltet den Fernseher aber nicht an (Förderung)

Soziale Kontakte:        · Pat. dazu motivieren Angehörige oder Freunde anzurufen bzw. einzuladen (wenn derPatient sich einsam fühlt)

                                               · Angehörige bei der Mobilisation des Pat. mit einbeziehen

 

 

Leitlinien der Gesprächsführung

 

-         Kommunikation ist die Übertragung von Informationen, enthält Sender und Empfänger

-         Aktives Zuhören: Dabei kommt es drauf an, bewusst und konzentriert 2 Ebenen der Kommunikation wahrzunehmen             ® Inhaltsebene

® Erlebnis- oder Beziehungsebene, d.h. den emotionalen Anteil einer Botschaft

-         z.B. Anwendung des Vier- Ohren- Modell´s: 1.Sachinhalt, 2.Selbstoffenbarung, 3.Beziehungsbotschaft, 4.Appell

 

-         wenn ein Gespräch geführt wird zwischen der Pflegenden und dem zu Pflegenden, dann ist es wichtig, dass sich die Pflegende für den Patienten Zeit nimmt

 

-         um ernstere Gespräche zu führen, sollten störende Geräusche, z.B. vom Fernseher, vermieden werden und für eine ruhige entspannte und angenehme Atmosphäre gesorgt werden

 

-         Inhalt einer Gesprächsführung: Akzeptanz, positive Wertschätzung, Empathie, emotionale Wärme, Echtheit

 

 

 

Soziale Kontakte vermitteln (z.B. zu Angehörigen und Nachbarn)

 

-         mit Angehörigen, und evtl. bei Bedarf mit Nachbarn, über Krankheit, Therapie und Prophylaxen sowie Ressourcen des Patienten vertraut machen (Angehörige sollen sich ein Gesamtbild verschaffen)

-         sich mit Angehörigen und Nachbarn vertraut machen z.B. Bestehen Ängste zum Patienten oder zur Krankheit?

-         wenn möglich, Angehörige mit in die Pflege mit einbeziehen

-         bei Bedarf Telefonnummern austauschen zwischen dem Patienten, Pflegende, Angehörigen und Nachbarn

-         Angehörige und Patient über Griffe, Vorgänge und Hilfsmittel aufklären und informieren

-         Dokumentation

 

Umgang mit einem gestörten Tag- und Nachtrhythmus

 

-         Tagesablauf so gleichartig wie möglich gestalten

-         Eile, Stress, schnelles Verhalten vermeiden

-         Abendbrot so spät wie möglich reichen

-         Nicht zu viel Schlaf am Tag zulassen

-         viele die Sinne anregende Beschäftigungen am Tag anbieten

 

Hilfen zur personellen, räumlichen und zeitlichen Orientierung

 

-         bei Vergessenheit stellen sich die der Pflegekräfte dem Patienten immer wieder neu vor                                                                 

-    erklären, weshalb man kommt, was man machen möchte und was man an Mithilfe wünscht

-         Tagesablauf immer gleich gestalten

-         nur eine Information auf einmal geben

-         feste Plätze für wichtige Dinge aussuchen und alle informieren

-         große Kalender zum Abreißen besorgen und gemeinsam aktualisieren

-         große Uhren an markanten Stellen aufhängen

-         nur aktuelle Zeitungen im Raum haben

-         Informationen zu Tag und Zeit ins Gespräch einflechten

-         Termine groß und übersichtlich aufschreiben und nur am Tag des Ereignisses aufhängen

-         alle Namen mit Groß- und Kleinbuchstaben schreiben

-         die Schriftfarbe Schwarz auf weißem Grund verwenden

 

Kooperation mit den Angehörigen, insbesondere zur Empfehlung von Bewältigungsstrategien im Umgang mit dem Pflegebedürftigen

 

-         Angehörige über die Grundprinzipien der ATL`s (Aktivitäten des täglichen Lebens) vertraut machen

-         Informationen der Angehörigen über rechtlich zustehende Hilfsmittel der Krankenkasse z.B. Qualitätssicherungseinsatz (§ 37 Abs. 3 SGB XI), Pflegehilfsmittel und technische Hilfen (§ 40 SGB XI), Pflegestufen

-         falls Angehörige in den Urlaub wollen, können sie den Pat. zur Kurzzeitpflege in einer vollstationären Einrichtung unterbringen (§ 42 SGB XI)

 

©  Sina Grailchen 2007, Oliver Dismer 2013